Maximal eine Stunde trainieren? Blödsinn!Die Meinung ist weitverbreitet, dass aufgrund der Hormone ein Training auf eine Stunde beschränkt werden sollte. Ich halte das für Quatsch. Nach 60 Minuten sollen angeblich die katabolen Hormone die Überhand im Körper gewinnen. Das wäre kontraproduktiv für ein Krafttraining. Anhand einiger Gedanken und Beispiele möchte ich euch zeigen, wieso ich nicht an diese Theorie glauben kann und will. Es war eine lange Diskussion, die ich letztens mit meinem Trainingspartner führte. Er wollte mir erzählen, dass wir unser Training doch so umstellen sollten, dass es nicht länger als eine Stunde dauert. Er hatte vermehrt gehört, dass sich nach einer Stunde Trainingsdauer die anabolen (muskelaufbauenden) Hormone reduzieren und die katabolen (muskelabbauenden) die Überhand gewinnen. Auch ich hatte schon oft von dieser These gehört, tue mich aber sehr schwer damit, mich nach ihr zu richten und diese Angaben unüberprüft zu glauben. In meinen Augen gibt es einfach zu viele Fakten, die gegen diese These sprechen. Die These beruht grundsätzlich auf einer Studie aus Bulgarien. Hier wurde herausgefunden, dass der Testosteron-Spiegel bei Gewichthebern nach 45 bis 60 Minuten Training anfängt zu sinken. Diese Gewichtheber haben ihrem Körper aber Testosteron von außen hinzugeführt, die Studie trifft in meinen Augen deshalb nicht auf den durchschnittlichen Studio-Gänger zu. Außerdem, so heißt es, soll die anschließende Umstellung des Trainingsplans der Sportler mehr organisatorische, als biologische Gründe gehabt haben.Es ist sehr leicht gesagt, dass ein Training nur eine Stunde dauern sollte. Doch wo beginnt ein Training eigentlich? Was gehört zu einem Training dazu? Ist es nicht absolut entscheidend, wie ich diese eine Stunde verbringe? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es keinen Unterschied macht, ob ich eine Stunde einen intensiven Kraft-Zirkel mit sehr, sehr kurzen Pausen absolviere, oder ob ich schwere Gewichte mit wenigen Wiederholungen und langen Pausen bewege. Nach einer Stunde soll hier der gleiche Effekt entstehen? Ich glaube nicht an dieses zeitliche Limit, aber ich glaube schon, dass es beim Training einen begrenzenden Faktor gibt. Doch dieser kann in meinen Augen nicht in Minuten gemessen werden, sondern ist abhängig von der Belastung, die man auf seinen Körper ausübt. Jeder nutzt seine Zeit in einem Fitnessstudio anders. Der eine macht in 45 Minuten 40 Sätze, der nächste macht 12 Sätze in einer Stunde. Wer wird wohl die größeren Fortschritte machen? Und wer wird wohl den höheren Stresshormonspiegel haben? Außerdem kann es nicht so falsch sein, mehr als eine Stunde zu trainieren, da es wohl kaum einen professionellen Bodybuilder auf der Welt gibt, der sich an diese Stundenregel hält. Einige sind drei Stunden und mehr im Studio und haben dennoch beachtliche Erfolge und machen stetige Fortschritte. Ich möchte noch die Frage aufwerfen, wie es denn um Trainierende steht, die den ganzen Tag körperlich arbeiten. Laut der Stundenregel wäre ein Training für sie sinnlos, weil sie die eine Stunde, die sie ihren Körper belasten können, schon bei der Arbeit weit überschritten haben. Oder wenn ich vor dem Training meine Möbel verrücke, kostet es mich dann 20 Minuten meiner einen wertvollen Trainingsstunde? Ich hoffe, ihr könnt meine Gedanken verstehen. Mir fehlt einfach der Glaube, dass diese weit verbreitete Stundenregel wirklich von Bedeutung ist. Dies habe ich so auch meinem Trainingspartner erklärt, und er hat mir zugestimmt. Wir haben uns für unseren neuen Trainingsplan kein zeitliches Limit gesetzt, sondern diesen nach der Belastung aufgebaut.
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